SINA BARNOCZKI

Skin picking Beraterin

SINA BARNOCZKI

Skin picking Beraterin

TAUCHE EIN

IN MEINE GESCHICHTE

Ich bin Sina, 36 Jahre alt und ehemalige stark Skin picking Betroffene.

Nachdem ich meinen Zwang erfolgreich hinter mir gelassen habe, der mein gesamtes Leben eingenommen hat, helfe ich anderen Menschen, über sich hinaus zu wachsen und diesen Zwang endlich loszulassen.

Weil ich möchte, dass andere Betroffene aus dem Gefühl der Verzweiflung heraus kommen

Die Gefühle von Ohnmacht und Verzweiflung sind die stärksten – plus den Selbsthass und das Weghaben-wollen und das Nicht-gelingen-wollen.

Ich habe jahrelang kein Licht gesehen auf meinem Lebensweg und meine Hoffnung war bei 0%, dass es ein Leben ohne Dermatillomanie überhaupt gibt. Ich dachte, ich muss damit sterben.

Alt und grau auf einer Parkbank sitzend, sich nie wohl in der eigenen Haut gefühlt zu haben, mein Leben damit verbracht zu haben, verzweifelt glatte Haut haben zu wollen und nie frei Frau und Mensch sein zu dürfen… die Vorstellung war hart.

Ich dachte: „Skin picking? – Das bin halt ich. Das gehört zu mir, obwohl ich’s nicht will. Nie werde ich gesunde, glatte Haut haben.“

Wenn ich mir vorstelle, dass ganz viele andere Betroffene gerade jetzt an diesem Punkt sind und sich so elendig fühlen, und manche am liebsten nicht mehr existieren möchten, möchte ich gleich zu ihnen rennen und alles Leid ungeschehen machen.

Es ist möglich, sich wieder besser zu fühlen, und diesen schlechten Seinszustand langsam zu etwas Schönem zu entwickeln, was man dann auch wieder volles Leben nennen kann.

In der Pubertät ging es bei mir los. Mit 12 Jahren hatte ich meine erste Wunde am Kinn. Als ich älter wurde und alles immer schlimmer, wusste ich, dass ich ein ernsthaftes Problem habe.

Ich war 24 Stunden, 7 Tage die Woche mit dem Befühlen meiner Haut beschäftigt, hatte blutende Wunden und quetschte pausenlos Pickel und kratzte Unebenheiten ab.

Als ich zufällig – mit ca. 17 Jahren – einen Artikel in einer Zeitschrift meiner Eltern blickte, stand dort ein Bericht über das zwanghafte Knibbeln und Kratzen der Haut im Gesicht und am ganzen Körper.

Da war doch glatt beschrieben, was ich machte, und ab da wusste ich, dass das Kind einen Namen hatte: Dermatillomanie. Und ich hatte das!

Jain. Ich hatte zwar einen Aha-Effekt in dem Moment, in dem ich den Artikel las, dass mein Verhalten anscheinend anderen (den Redakteuren aus der Zeitschrift) vertraut war und dass es ein psychologisches Problem ist, aber mit zarten und sehr jungen 17 hatte ich noch von nichts eine Ahnung, schon gar nicht, wie man mit einer Zwangserkrankung umgeht oder was die Lösung für dieses Problem sei.
In einem Wort? Grausam.

Es war ein jahrelanger Einheitsbrei aus Verstecken, Schminken, lange Sachen anziehen, Verabredungen absagen, blutige Taschentücher entsorgen, stundenlang vor dem Spiegel hocken, Angst zu haben, erwischt zu werden, darauf angesprochen zu werden, und sich erklären zu müssen, nicht frei zu sein, mich schlecht zu fühlen, mich selbst dafür zu hassen, was ich mache, nicht aufhören zu können, dagegen zu rebellieren, es weg haben zu wollen, teure Cremes zu kaufen, Handschuhe anzuziehen, Wohnungsspiegel abdecken, innerlich durchzudrehen, viel Schminke aufzutun, sich vorzunehmen wenig Schminke zu benutzen  und und und…

Ich wusste ja nicht, was der Auslöser für meinen Zwang war oder warum ich das hatte. In diesem Teufelskreis versuchte ich erwachsen zu werden, schloss mein Abitur und meine Ausbildungen ab und integrierte mich brav ins Arbeitsleben. Ungezwungen oder beschwingt, wie diese Jahre eigentlich sein sollten, war daran rückblickend gar nichts.

Immer mit dem täglichen Gepäck an Selbstgeißelung, Zwangsverhalten und Selbsthass zogen die Jahre ohne Änderungen im Knibbel-Verhalten vorbei. Ich versuchte als junge Erwachsene meine Liebesbeziehungen aufzubauen und normal zu leben, was mir nicht gelang. Innerlich war ich immer unglücklich und verzweifelt.

Ich habe alles ausprobiert, was mir einfiel und einen Versuch wert war. Ich habe Handschuhe getragen, Spiegel verdeckt, bin zu Kosmetikerinnen gerannt, habe Hypnose versucht, Psychologen abgeklappert, habe versucht im Internet Informationen zu finden – aber es gab NICHTS im Internet zu der Zeit. Wir waren noch mit 56k-Modem unterwegs, telefonieren UND Internet gleichzeitig war gar nicht möglich, noch hatte irgendjemand ein Smartphone in der Tasche.

Ich habe mit Hautärzten gesprochen, Bücher gewälzt, Tagebuch geschrieben, Pflaster geklebt, Daumensteine gerollt, mich versucht abzulenken, Zeitrekorde versucht aufzustellen, mit Freunden geredet, meine Partner eingeweiht, meine Familie genervt, mich willentlich gegen den Zwang gesperrt (und körperlich gelitten, weil der Drang dann wie ein Schwert in mein Inneres mich aufschnitt), Vorsätze gemacht, dass bis zum Geburtstag von Freund/Freundin/Weihnachten/Geburtstag/Neujahr…(…) meine Haut gut aussehen soll, mich belohnt für irgendwas, Heilcremes drauf geschmiert, versucht lange zu schlafen, um meiner Haut eine Auszeit zu gönnen, mir gewünscht, dass ich einen Unfall habe und 3 Wochen im Koma liege, dann wäre meine Haut in der Zeit wenigstens geheilt, Wecker gestellt um Nicht-Knibbelzeit zu verzeichnen…. Ach, alles Tropfen auf dem heißen Stein – sinnlos quasi. Nichts klappte wirklich.

Das ist alles so lange her, ich kann mich nicht mehr an alles erinnern, aber ich kann noch nachfühlen, wie dieser Zwang mich täglich begleitete und mein konstantes Gefühl eines der Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Ausweglosigkeit war.

Der Zwang bestimmte meinen Alltag: zum Beispiel, was ich für Kleidung anzog, ich fühlte mich ja unsicher und wollte am liebsten für niemanden zu sehen sein.

Auch trug ich immer einen Taschenspiegel mit mir herum, um meine Haut zu checken oder frische Wunden zu prüfen, ob man was sieht.

Ich musste unterwegs in jeden Spiegel oder die reflektierenden Glasscheiben an Schaufenstern schauen, ob meine Schminke verrutscht war, wie viele Wunden man sehen konnte (weil man die Scheiße einfach nicht richtig abdecken kann, die man da anrichtet) oder ob mein Haar richtig hing, damit man so wenig offene Stellen wie möglich sah. Autospiegel waren auch immer eine gute Gelegenheit zu checken, dass ich immer beschi**en aussah – nach 20 Minuten/1 Stunde.

Wenn mich jemand kritisierte, war ich sofort down und fühlte mich unwert, WEIL ich Skin picking hatte und mich hässlich fühlte. Ich fühlte mich nicht gut genug, weil meine Haut unrein war. Ich dachte, mir steht das alles auf der Stirn geschrieben, wie es im Inneren aussah.

Ich konnte nicht frei in Liebesbeziehungen gehen. Irgendwann kam in einer Beziehung immer der Moment, wo ich mich meinem Freund offenbarte, aber niemand konnte mir helfen, obwohl sie sich alle sehr Mühe gaben. Ich hatte oft Zoff mit meinen Eltern, weil ich nicht verstand, was mit mir los war und warum sie mir nicht halfen.

Täglich grübelte ich, was mit mir nicht stimmte und versuchte, diesen Fluch los zu werden, was mir nicht gelang. So zog tatsächlich ein Jahr nach dem anderen mit Skin picking ins Land und nichts änderte sich.

Es war ein unendlich steiniger, langer und mühsamer Weg. Hätte mir jemand gesagt, dass es mir doch gelingen würde, Skin picking zu besiegen, ich hätte ihn sehr müde angeschaut und ironisch lächelnd geantwortet: „Ja klar, sicher doch. Lass mich in Ruhe. Du hast keine Ahnung.“

Ich flog oft nach Asien und besuchte jedes Jahr ein Land dort – Thailand, Nepal, Malaysia, Indien.. – mit ihren Tempeln, Ashrams und dem Hinduismus. Das hat mir gut gefallen, nach jedem wundervollen Urlaub, in dem meine Haut nach ein zwei Wochen etwas Ruhe bekam, war ich aber nach maximal 4 Wochen wieder im kalten Deutschland und die alten Probleme erneut in voller Pracht da.

Es gab keine Erleuchtung bei mir und dann gings abrupt los mit der Hautverbesserung, sondern es waren zahllose kleine Puzzleteilchen, die ich jahrelang nach und nach zusammen trug, ausprobierte, damit fehl schlug oder Schritte machte, die Besserung brachten, bis ich ein Konzept fand, dass ich immer noch täglich/oder wöchentlich anwende.

Im Jahr 2013 wollte ich nach Tibet reisen – ein Lebenstraum sollte wahr werden. Und dann wurde die Reise abgesagt, wegen der furchtbaren Selbstverbrennungen der Mönche in Lhasa.

Ich überlegte hin und her, was ich nun tun sollte, und entschied mich spontan für einen völlig unbekannten Kurs in Griechenland.

Auf Kreta hatte ich die beste Urlaubswoche meines Lebens! 

Statt immer in der Welt herum zu düsen  und vor irgendwas zu flüchten, lehrte mich ein Meister den inneren Fluss des Lebens bzw. meine eigene Energie im Inneren des Körpers und eine Frau veränderte unsere emotionalen Zustände und Probleme aus der Vergangenheit.

What?? Wie ging das bitte? Ich war sehr begeistert und bat um eine Einzelsitzung.

Diese Sitzung war der Ausschlag für ein besseres Leben.

Was in Kreta passiert ist, war der Beginn meiner Lebensveränderung!

Lies hier mehr dazu!

Das war ein längerer Prozess, keine krasse Wende. Es gehören zur Heilung viele Aspekte deines Lebens dazu. 

Ich kann dir sagen, dass zum Beispiel das Herumdoktern am VERHALTEN deiner Hand wenig Sinn macht. Also sich zu zwingen, aufzuhören.

Das Ausagieren der Hand bei Skin picking ist nur ein Nebenprodukt von anderen Ursachen.

Der Fokus liegt unter anderem darauf, WAS du dir alles versagst im Leben.

Erkenne, was dich hemmt, bearbeite es und geh in die Richtung, die du dir jedes Mal verweigerst.

Das größte Problem ist, seine Probleme überhaupt angehen zu wollen.

Und die Probleme ändern sich auch noch dauernd. Man kommt kaum hinterher. Damit meine ich keinen Kampf und wir besiegen den Zwang mit Schwert, sondern die Bereitschaft, vorwärts gehen zu wollen, Baby steps, das nächst liegende und anstehende zu tun und dies immer und immer wieder bewusst zu tun.

Dazu muss man natürlich üben, damit man richtig und „falsch“ einschätzen kann. Welches ist nun der richtige Weg für mich?

Denn eine Veränderung im Außen (damit ist deine Hand gemeint, die das Skin picking macht) beinhaltet immer eine Veränderung IN DIR.

DU KANNST NICHT BEI DEM BLEIBEN, WAS DU BISHER SCHON SO GEMACHT HAST UND DENNOCH ÄNDERUNG ERWARTEN.

Heute lebe ich ein Leben, in dem Dermatillomanie keine Rolle spielt und nicht mehr 24/7 anwesend ist wie damals und meine Gedanken und sämtliche Handlungen einnimmt wie früher.

Es gibt kein (stundenlanges) Gequetsche mehr vor dem Spiegel. Mein Spiegelbild lächelt mir wieder freundlich entgegen und ich bin gerne am Leben und fühle mich sehr wohl in meinem Körper. Das war früher nicht so.

Ich muss mich nicht mehr schminken oder irgendetwas überdecken, ich kann frei wählen, was ich anziehe, der Selbsthass ist weg und positive Gefühle mir gegenüber sind gekommen, ich achte mich und nehme meine Bedürfnisse ernst. Das Leben ist „fluffig“ geworden.

Da ist eine riesiges Gefühl von Erleichterung, wenn ich an den Weg denke, der hinter mir liegt.

 

VORHER / NACHHER

Links siehst du ein Foto im Alter von 20 Jahren. Im rechten Foto siehst du mich im Alter von 36 Jahren – frei von Skin picking und glücklich mit mir und meinem Körper. : )

Sina mit DermatillomanieIch mit Mitte 30. Porträtbild

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